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Auf dem Kleinfeld groß in Form
ID-Hessenmeisterschaft für Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen auf dem Sportplatz Saareck

In ganz Deutschland herrscht in diesem Sommer ein regelrechtes Fußballfieber. Nach der Frauen-Weltmeisterschaft im Juli ziehen nun viele kleinere Fußballturniere nach. Unter ihnen die zweite ID-Hessenmeisterschaft für Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen (ID ist die offizielle Bezeichnung für Menschen, die mit Behinderung Fußball spielen).

Gestern Vormittag trafen fünf Mannschaften aus Hessen in Schierstein aufeinander: der TV Groß-Umstadt, die Reha-Werkstatt Lauterbach, die Lahnkicker Marburg und der Titelverteidiger SVSG Wiesbaden. Veranstalter war der Hessische Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband. In Kooperation mit dem Verein für Sport und Gesundheit (VSG) Wiesbaden und dem SV Schierstein 1913 konnte die Wettkampfstätte für die Austragung der Hessenmeisterschaft gefunden werden - der Sportplatz Saareck in Schierstein.

Der VSG arbeitet schon seit rund 60 Jahren mit behinderten, erkrankten und gesundheitsgefährdeten Menschen in Wiesbaden zusammen. Hauptsächlich bietet er ein breites Feld an Reha-Sport an, wie zum Beispiel Gymnastik und Wassersport sowie Fußball. In diesem Rahmen kam es 2008 zu einer Kooperation mit dem SV Schierstein. Ziel war und ist es, auf Turniere vorzubereiten. Neben der ID-Hessenmeisterschaft finden regelmäßig Wettbewerbe auf dem Sportplatz statt, wie zum Beispiel das "Turnier der Herzen". Anfangs hatte der eine oder andere eine gewisse Distanz zu den Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen. Es gab keine klaren Erkenntnisse darüber, wie sehr man sie belasten kann. Aber nach dem ersten Spiel stellte sich heraus: "Die Freude, die diese Menschen an Fußball haben, ist meist ausgeprägter, als bei einem Profispieler", erklärt Patrick Cuttaia, Behindertenbeauftragter des SV Schierstein.

Das Turnier am Freitag ist für die Spieler ein spannendes Erlebnis. Es fördert das Selbstbewusstsein und die Integration innerhalb der Mannschaft. Für die Aktiven ist es sehr wichtig, Stabilität in ihrem Alltag zu erfahren. Dem kommt ein fest angelegtes Fußballtraining zweimal die Woche natürlich zugute.

Eine Frage steht im Raum: Warum wird in Zeiten, in denen jeder von Inklusion und Integration spricht, eine solche Sonderform betrieben? Die Antwort darauf weiß Lothar Simon, Jugendwart des VSG zu geben: "Schwierig wird Inklusion im Leistungssport. Wir möchten nicht, dass unsere Spieler im regulären Sportbetrieb auf die Ersatzbank rücken müssen. Gerade Menschen mit mentalen Einschränkungen werden häufiger ausgegrenzt, da ihre Behinderung nicht so gut nachempfunden werden kann." So nutzen viele das Angebot, beitragslos in den SVSG einzutreten. Denn "es wird immer Zwischenformen geben müssen, um Inklusion erfolgreich umzusetzen", meint Simon. Dies belegt auch das Einzugsgebiet, was mittlerweile bis nach Rüsselsheim und Idstein reicht.

Die Entscheidung, wer bei diesem Turnier mitspielen darf, fällt schwer. Denn es muss entschieden werden, wer wirklich eingeschränkt ist oder wer doch lieber in einem "normalen" Verein mitspielen sollte. Dabei spielen zwei wichtige Kriterien eine Rolle: der Intelligenzquotient und das Alltagsverhalten der Einzelnen. Ab einem IQ von unter 75 gilt eine Person als intellektuell beeinträchtigt. Weiterhin beobachten die Verantwortlichen, ob die jeweilige Person selbständig agieren kann oder ob sie in einer Behindertenwerkstatt tätig ist.

Um den Gehandicapten das Turnier zu ermöglichen, wurden vereinfachte Spielregeln eingeführt. Es spielen je sechs Feldspieler und ein Torwart auf einem Kleinfeld. In der auf zwölf Minuten verkürzten Spielzeit darf beliebig oft ausgewechselt werden. Die Abseitsregel ist aufgehoben.

Das Turnier selbst verlief sehr profihaft, mit Schiedsrichtern und Trikots. Um 15 Uhr stand das Ergebnis fest: Den ersten Platz holten sich, wie im Jahr zuvor, die Spieler vom SVSG Wiesbaden, die sich somit für den Bundeswettbewerb qualifizierten und einen Pokal erhielten. "Wir freuen uns sehr über den Sieg", so Cuttaia. Eine Leistung, auf die alle Mitspieler sehr stolz sein können, wie er findet.

Quelle: Wiesbadener Tageblatt, 27.08.2011
 
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Update: 16.10.2017
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